Charakterwäsche

BuchGutesCaspar von Schrenck-Notzing: Die Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen

Landauf und landab feiern die verschiedensten Publikationen sich derzeit selbst und ihr 70jähriges Bestehen. Woher kommt diese landläufige Übereinstimmung?

Es hat seine Ursache in der Lizenzierung der Medien nach dem 2. Weltkrieg durch die Besatzungsmächte. Sie suchten sich die für ihre Zwecke geeigneten Opportunisten unter den Deutschen aus, die sich im Westen mit Lizenzen zum Reichwerden kaufen ließen.

Die Bedingungen dafür lassen sich auf einen Punkt bringen: Der leichtgläubige Masse des besiegten Volkes beizubringen, was es wissen darf und zu glauben hat – notfalls werden die Kritiker mit über die lizenzierten Massenmedien verbreiteten Totschlagargumenten mundtot gemacht, wenn nicht gar deren Existenzen vernichtet.

Die Sowjets hatten damit leichtes Spiel, diffiziler mußten dabei aber insbesondere die schon in der Ära der prokommunistischen Roosevelt-Administration eingesetzten Psychoanalitiker vorgehen. Schließlich mußten auch die kritischen US-Bürger, die immerhin über 30 Prozent deutsche Wurzeln hatten, bei der Stange gehalten werden.

Das Ergebnis der Gehirnwäsche wirkt bis heute fort, weil sich an der bewußt gewollten Grundstruktur nur wenig geändert hat:
Noch immer beherrschen die sich „liberal“ gebenden Linken die breite Palette von den Tageszeitungen bis hinein in die von Staat und politisch relevanten Gruppen kontrollierten Rundfunk- und Fernsehsender.

Erst durch die „neuen Medien“ (Internet, eMail etc.pp.) erfolgte die Möglichkeit, wirklich freie und unredigierte Nachrichten und Meinungen zu erhalten und auch zu verbreiten. Vielen gehen dabei inzwischen die Augen auf und lassen ihre Wut an der „Lügenpresse“ aus.

Eilends wollen die Massenmedien nachsteuern und verlorenes Terrain zurückerobern – schließlich darf das lizenzierte Reicherwerden nicht versanden:

– Man zensiert Leserbriefe nicht mehr ganz so streng, spart jetzt nur noch „polemische“ aus, von denen man hofft, dies auch rechtfertigen zu können.
– Man bringt des öfteren auch unangenehme Meldungen aus dem systembedingten Nachkriegsmilieu, um zumindest den Schein zu wahren, sonst keine Nachrichten zu unterdrücken, wie es zuletzt mit den Vorgängen der Silvesternacht und nachfolgenden Demonstrationen im Zusammenspiel mit Politik und Polizei noch überdeutlich zutage trat.
– Man setzt die Gehirnwäsche einfach gezielter nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ ein, indem es insbesondere zu politisch unpassenden Vorgängen, Institutionen, Personen und Parteien einfach keine positiven, sondern nur negative Nachrichten gibt. Schließlich ist das auch der Sinn der „Pressefreiheit“ à la carte de licence.

Schrenck-Notzing hat einen wichtigen Aspekt zum Verständnis der Nachkriegsgeschichte bereits in den 60er Jahren aufgearbeitet und nirgends wurde der Einfluß auf die mediale Landschaft deutlicher, als beim frühen Umgang mit diesem Buch über die Charakterwäsche.

Andere Bereiche, die zur Zementierung der von den Siegermächten im Nachkriegsdeutschland eingerichteten Spielweise der Demokratie beitragen, wie beispielsweise die legalisierte Korruption der Politik durch Parteispenden, Lobbyismus, staatliche Parteienfinanzierung, weisungsgebundene Staatsdiener in Judikative und Exekutive, politisch gewollte staatlich finanzierte Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen, bleiben dabei außen vor.

Produktbeschreibung
In der Produktbeschreibung heißt es bei amazon:

Die Umerziehung der Deutschen nach 1945 war eines der mentalitätsgeschichtlich prägendsten Ereignisse der Nachkriegszeit. Schrenck-Notzing zeigt minutiös auf, wie die Idee der „Re-education“ Deutschlands in den USA politisch zustande kam und wer an ihr maßgeblich beteiligt war. Dabei werden auch die internen Kämpfe der Amerikaner um die Nachkriegsordnung in Deutschland eingehend behandelt. Die Rolle von Psychologie und Pädagogik sowie die Politisierung der Psychoanalyse werden ebenso klar beleuchtet wie die Auswirkungen auf die künftige Elite der Bundesrepublik und letztlich auf die spätere Politik dieses Landes. So tief drang die Re-education in das Bewußtsein der Deutschen ein, daß sie diese später auch ohne amerikanische Anleitung aus eigenem Antrieb fortführten, um alle Volksschichten mit ihren Prinzipien zu durchdringen. Daran hatten die von den Alliierten lizenzierten Zeitungen ebenso ihren Anteil wie Parteien oder Universitäten. Das Buch Schrenck-Notzings übte an der Umerziehung bereits in einer Zeit fundamentale Kritik, als das amerikanische Vorbild für die Bundesrepublik noch als unantastbar galt. Das hat sich heute geändert. Dennoch ist die Frage der Umerziehung in Deutschland eines der letzten politischen Tabuthemen geblieben. Sie rührt an dem Innersten dieser Republik, an der Frage: Wie sind die Deutschen das geworden, was sie heute sind? Der Autor hat sein bekanntestes, zuletzt bei Ullstein in mehreren Auflagen erschienenes Werk nun erstmals aktualisiert und beschreibt die Auswirkungen bis in die Gegenwart. Dieses Buch wird bleiben, was es ist: ein Standardwerk zur Entstehung und Entwicklung der bundesdeutschen Mentalität, an dem keiner vorbeikommt, der sich mit diesem Thema beschäftigt.

Leseprobe:

Der Lizenzträger

Der Versuch, durch die Besatzung eine Änderung des deutschen Volkscharakters zu bewirken, bediente sich des Lizenzsystemst.
Während in der sowjetisch besetzten Zone die Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen den sozialen Gruppen („Klassen“) einen Wechsel in allen Aspekten des Lebens bewirken sollte, glaubte die neo-freudianisch orientierte amerikanische Politik, das gleiche Ziel durch die Besetzung bestimmter Führungspositionen mit ausgewählten Persönlichkeiten erreichen zu können.
Wurden damit in Mitteldeutschland Parteien und „Massenorganisationen“ als Ausdruck bestimmter Klassen zu Trägern der neuen Ordnung, so lag in Westdeutschland das Schwergewicht auf Einzelpersönlichkeiten, den Lizenzträgern. Beide Systeme hatten ihre Vorteile und Nachteile.
Verursachte das kollektive östliche System eine Sinnesänderung großer Massen der Bevölkerung, eine Sinnesänderung, die jedoch vor allem auf der Anerkennung geänderter Machtverhältnisse beruhte und daher verhältnismäßig oberflächlich blieb, so bewirkte das individuelle westliche System zwar nur die Sinnesänderung einzelner, ausschlaggebender Gruppen, dafür aber eine Sinnesänderung, die in die Tiefe drang und „unter die Haut“ ging.

Die Charakterwäsche war überall dort erfolgreich, wo ein einzelner – als Zeitungsherausgeber, Verleger, Filmunternehmer – eine weittragende Wirkung ausüben konnte, und dort erfolglos, wo – in der Schule, in der Parteipolitik, in der Wirtschaft, der Bundeswehr – das Zusammenwirken vieler erforderlich gewesen wäre.

Zwar könnte dagegen eingewendet werden, daß beim Rundfunk nicht nur einzelne Persönlichkeiten lizenziert, sondern ganze, von den Amerikanern zusammengestellte „teams“ als „Paket“ in die bundesrepublikanischen publizistischen Machtpositionen eingebracht wurden, aber auch hier handelt es sich um wenige hundert Persönlichkeiten.

Der Anwendung neo-freudianischer Sozialtechnik waren und sind numerisch enge Grenzen gesetzt.

Die von Morgenthau vorgeschlagene Unterbrechung aller Kommunikationsmedien schlug sich im SHAEF-Gesetz 1919 vom 24. November 1944 nieder, das in allen drei West zonen durch das Militärregierungsgesetz 191 (abgeändert am 12. Mai 1945) ersetzt
wurde.
Das Gesetz verbot die Herstellung von Drucksachen und Filmen, das Aufführen von Musik, das Betreiben von Schaubühnen, Rundfunkstationen usw.
Die Nachrichten-Kontrollvorschrift Nr. 1 vom gleichen 12. Mai 1945 erlaubte auf grund schriftlicher Zulassungen der Militärregierung:

a) das Veröffentlichen von Zeitungen, Magazinen, Zeitschriften, Büchern, Plakaten, Broschüren, Musikalien und sonstigen Veröffentlichungen;

b) den Betrieb von Nachrichtendiensten, Nachrichten- und Bildagenturen, Rundfunk- und Fernsehstationen oder -einrichtungen, von Drahtsendern, Niederfrequenzübertragungsanlagen;

c) die Herstellung von Filmen, Schallplatten und sonstigen Tonaufnahmen, ferner die Vorbereitung und Veranstaltung von Schauspielen, Konzerten, Opern, Jahrmärkten, Zirkus-, Karneval- oder anderen Aufführungen, bei denen Schauspieler oder Musiker mitwirken.

Für die genannten Tätigkeiten wurden Zulassungen mit einem einheitlichen Text erteilt. Für diese Zulassungen setzte sich der amerikanische Sprachgebrauch (licence) durch, man sagte Lizenz. Der in der Zulassungsurkunde Zulassungsinhaber genannte Begünstigte wurde allgemein als „Lizenzträger“ bezeichnet.
Vielleicht dachte man daran, daß an die Stelle der Hoheitsträger des Dritten Reiches die Lizenzträger der Besatzungsmacht getreten waren, so wie an Stelle der staatlichen Hoheit die besatzungsrechtliche Erlaubnis getreten war.

Die rechtliche Stellung der Lizenzträger war eine juristische Ausgestaltung des neofreudianischen Programms.
Nach § 2d der Zulassungsurkunde sollten die Lizenzträger von anderen Personen oder
Gruppen unabhängig sein. Es war ihnen also untersagt, als Platzhalter sozialer Gruppen, wie z. B. der Gewerkschaften oder Parteien, aufzutreten.
Sie sollten aber auch gegenüber finanziellen Interessen unabhängig sein.
Die Betriebsanweisung für die Presse Nr. 1 vom Sommer 1945 bestimmte, daß alle Einnahmen, die nach Abzug der Miete, Gebühren für Nachrichtendienste und besondere Zahlungen für requiriertes Material übrigblieben, persönliches Eigentum der
Lizenzträger seien.

Diese waren verpflichtet, die Unternehmen nach besten Geschäftsgrundsätzen zu betreiben.
Die Lizenzträger wurden also selbständige Unternehmer.
Sie unterschieden sich jedoch von anderen Unternehmern durch ihre unbedingte Abhängigkeit von den Offizieren der Nachrichtenkontrolle.

§ 3 der Zulassungsurkunde bestimmte, daß die lizenz ohne Kündigungsfrist und ohne
Untersuchung rückgängig gemacht werden konnte.
„Diese Zulassung wird für keine bestimmte Zeitfrist erteilt und stellt kein Ei­gentumsrecht dar.“

Die Lizenz prämiierte also ein über einige Jahre durchgehaltenes Wohlverhalten, das sich nach den verschiedenen Wendungen der amerikanischen Politik richten mußte.
Die Lizenzurkunde war ein Wertpapier, das bei Nichtwohlverhalten nichts, bei Wohlverhalten bis zur Aufhebung des Lizenzzwanges mehrere Millionen DM wert war. Die Aufhebung des Lizenzzwanges machte den Lizenzträger, der bis dahin das Wohlwollen der Nachrichtenkontrolloffiziere nicht verscherzt hatte, zum freien Anteilseigner.
Er konnte seine Anteilsrechte verkaufen oder sie weiterbehalten.

Die finanzielle Sicherung der lizenzträger war eine der vordringlichsten Sorgen der Militärregierung.
Langfristige Kredite und Zuschüsse in verschiedenen Formen, die mit der Aufhebung des Lizenzzwanges und der Errichtung der Bundesrepublik keineswegs eingestellt wurden, sollten die Lizenzträger krisenfest machen.

Die Wünsche der Lizenzträger waren jedoch anderer Art.
Sie wollten die unter amerikanischer Treuhandverwaltung stehenden Druckereien, in denen sie ihre Zeitungen druckten, um einen geringen Reichsmark-Betrag erwerben. Doch die Druckereien unterstanden nicht der Informationskontrollabteilung, sondern der Wirtschaftsabteilung der Militärregierung, und aus dem Plan wurde nichts.

Die Lizenzträger mußten sich mit einem 15 jährigen Pachtvertrag begnügen, der sie verpflichtete, jährlich 1,5 bis 3 % ihrer Einnahmen für den Druckereibesitzer auf ein Sperrkonto zu überweisen.
Nach Aufhebung des Lizenzzwanges kam es meist zu Verträgen zwischen den Lizenzträgern und den Druckereibesitzern, die den Druckereibesitzern wieder zu ihrem Eigentum verhalfen und den Lizenzträgern die Bewahrung ihrer publizistischen Positionen auch unter rechtsstaatliehen Verhältnissen garantierten.
Der mißglückte Griff nach den Druckereien hatte für die Lizenzträger den ungewollten Vorteil, daß sie in den 50er Jahren nicht als isolierte Kaste den organisierten Angriffen der von ihnen wirtschaftlich Geschädigten gegenüberstanden.

Wenn die Institution der Lizenzträger auch ein Ausdruck des Strebens nach Charakterreform ist, so waren bei der Auswahl der Lizenzträger Einflüsse der Strukturreformer und des Antigermanismus zu bemerken.
Die Informationskontrollabteilung der Militärregierung war anfänglich in zwei Distrikt-Nachrichtengruppen (District Information Services Command), die 6871. (Hessen, Württemberg,Bremen) für den westlichen und die 6870. (Bayern) für den östlichen Militärdistrikt, aufgeteilt.

Von den beiden Gruppen war die westliche stark kommunistisch infiltriert.
Beide Gruppen hatten sich jedoch nach dem Handbuch für die Kontrolle der deutschen Nachrichteneinrichtungen (Manual for the Control of German Information Services) zu richten.

Dieses Handbuch schloß folgende Gruppen vom Lizenzempfang aus: Pgs und Personen, die Nazismus oder Militarismus unterstützt hatten, wozu etwa (laut Industriellenverschwörungstheorie) leitende Männer der Wirtschaft gezählt wurden, ehemalige Offiziere, Besitzer von Druckereien, ehemalige Zeitungsverleger, Journalisten, die nach 1935 als Redakteure oder Mitarbeiter in der deutschen Presse tätig waren, „reaktionäre Antinazis“ (darunter seien zu verstehen „Großgrundbesitzer mit klingenden aristokratischen Namen und dem Adelsprädikat ‚von‘ oder auch ‚von und zu‘, wie der zählebige preußische oder süddeutsche Tory, dem die Nazis immer nur ,Pöbel‘, aber wert waren, es auf einen Versuch ankommen zu lassen; der respektable Mann, der angelockt worden war durch die Möglichkeit, Macht und Ruhm zu gewinnen, solange die Nazis Erfolg hatten, sie aber ablehnte, als sie
dann versagten, und zu den Unterstützern des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 gehörte; der pro-westliche noch mehr als der pro-östliche Sektor der deutschen konservativen Meinung … „

In der Tat war unter den Lizenzträgern nur ein einziger im weitesten Sinne dem nationalen Lager der Weimarer Zeit zuzuzählen, der Lizenzträger Joseph E. Drexel („Nürnberger Nachrichten“), der als Nationalbolschewist eben dem genannten pro-östlichen Sektor der deutschen konservativen Meinung angehörte.

Alle übrigen gehörten entweder der sozialistischen oder liberalen Linken an, oder (das war die Alternative der ersten Nachkriegszeit) der klerikal-föderativen Richtung (Naumann, Kapfinger, Schoeningh).

Es war jedoch nicht nur die politische Vergangenheit und Gruppenzugehörigkeit für die Lizenzerteilung maßgebend.
Auch auf die politische Gegenwartseinstellung wurde geachtet.
Die loyale Zusammenarbeit mit den „demokratischen“ Kräften, vor allem den Sozialdemokraten und Kommunisten, war unabdingbare Voraussetzung für die Lizenzerteilung.

Derjenige, der sich 1946 weigerte, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten, kam ebenso wenig für eine Lizenz infrage, wie derjenige, der 1948 darauf beharrte, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten.
Doch das Gedächtnis ist ja im 20. Jahrhundert die variabelste aller Größen geworden.
Immerhin führten die zahlreichen Gründe für eine Lizenzverweigerung dazu, daß es als eine Meisterleistung eines Informationskontrolloffiziers galt, wenn er einen „bürgerlichen“ Lizenzträger auftreiben konnte, der mit seihen sozialistischen und kommunistischen Kollegen zusammen das gewünschte Bild der publizistischen Volksfront abrundete.

Für Bayern wird in dem Roman des ehemaligen Offiziers der Informationskontrolle David Davidson (The Steeper Cliff) die aufzehrende Suche nach einem bürgerlichen Kandidaten geschildert.
In Baden mußte man auf einen als „demokratisch unzuverlässig“ geltenden Mann wie Dr. Theodor Heuss zurückgreifen, weil einfach kein bürgerlicher Vertreter da war, der neben Dr. Agricola (KPD) und Hermann Knorr (SPD) als Lizenzträger fungieren konnte.
Heuss hatte mutig versucht, eine Lanze für die im Dritten Reich tätigen Journalisten zu brechen, indem er die Besatzungsoffiziere bat, „das nur zu begreifliche Ressentiment der in die Emigration gezwungenen Journalisten nicht zum Maßstab der Bewertung zu machen.“

Für Bayern, das bereits in den ersten Gemeindewahlen Anfang 1946 seinen CSU-Charakter offenbart hatte, ergab sich im Sommer 1947 folgendes Bild der Lizenzträger:
16 SPD, 5 CSU, 2 FDP, 1 KPD (dazu 7, die als der SPD, 10, die als der CSU nahestehend bezeichnet wurden, und 3 Parteilose).
Hier war der Chef der Pressekontrolle A. Gerecke den Kommunisten gegenüber abweisend, was ihm mehrfach Zusammenstöße mit seinen Vorgesetzten eintrug.
Es gelang ihm, die Forderungen der KPD auf einen Lizenzträger für die „Süddeutsche Zeitung“ abzulehnen, obwohl der Leiter der Press Control Section, A. Egglestone, darauf bestand.

Der westliche Distrikt war dagegen linksradikal ausgerichtet.
Nach dem Scheitern ihrer Bemühungen gründeten die dortigen Presseoffiziere Cedric Belfrage und Aronson in New York das philo-kommunistische Wochenblatt „National Guardian“.
1954 wurde Belfrage aus Amerika ausgewiesen und wandte sich nach einigen Umwegen nach Cuba, von wo aus er mit wechselndem Erfolg den Imperialismus bekämpft.

Die Couch-Elite formiert sich
Die Auskundschaftung künftiger Lizenzträger wurde dafür bestellten ‚vetters‘ überlassen, die auf Grund von Fragebögen und persönlichen Interviews die Eignung der Antragsteller zu prüfen hatten.

Der Umfang der Lizenzierungstätigkeit (vom Zirkusdirektor zum Zeitungsherausgeber) und die relativ geringe Zeit, die auf den Antragsteller verwendet werden konnte, ließ es wünschenswert erscheinen, die getroffene Auswahl noch einmal gründlich zu durchleuchten.
Diese Tätigkeit wurde dem ICD Screening Centerl in Bad Orb übertragen.

Gründer des Screening Center war der New Yorker Psychiater David Mardochai Levy, einer der führenden amerikanischen Psychoanalytiker.
Levy war im Sommer 1945 auf Einladung der ICD in Deutschland eingetroffen und hatte sich an der Schule des OSS in Bad Orb niedergelassen, wo deutsche Hilfswillige für den amerikanischen Nachrichtendienst ausgebildet wurden, denen vor allem die Nachprüfung von Angaben in Fragebögen oblag.
Im Oktober 1945 kam es dann zur Errichtung des Screening Center in Bad Orb, das später dem Hauptquartier der Informationskontrolle in Bad Homburg angeschlossen wurde.

Der Stab des Screening Center bestand aus einem nachrichtendienstlichen Spezialisten für Nationalsozialismus (Mr, Ernest Rott), einem Psychologen und einem Psychiater (David Mardochai Levy, später Bertram Schaffner).
Der politische Spezialist ließ die künftigen Lizenzträger zwei Aufsätze mit dem Thema „Meine Gefühle in der Nazizeit“ und „Die Kollektivschuld des deutschen Volkes“ verfassen.

Dann wurde der Lizenzkandidat von Mr. Eroest Rott interviewt, der über das Dritte Reich genau Bescheid zu wissen glaubte.
Einem Theaterdirektor, der zwei Nazis tücke aufgeführt hatte, habe er nachgewiesen, daß dieser nicht unter Zwang gehandelt habe, da er an einem Göring-Theater, wo solche Verpflichtungen nicht bestanden hätten, beschäftigt war und nicht an einem Goebbels-Theater.

Der Theaterdirektor war somit lizenzunwürdig.
Die Lizenzkandidaten mußten weiter 40 halbe Sätze vollenden, was ermöglichte, sie je nach dem Ergebnis in sieben Stufen von „außerordentlich demokratisch“ über „unverbindlich“ bis „außerordentlich undemokratisch“ einzustufen.

Auch der Psychologe hatte Arbeit. Der künftige Lizenzträger mußte sich zunächst einem Intelligenztest unterwerfen.
Wenn er nämlich außerordentlich unintelligent war, so konnte man bei Nichtbeantwortung theoretischer Fragen auf Unvermögen (und nicht Verstocktheit) schließen.
Ein Rorschach-Test ergänzte das Persönlichkeitsbild.

Schließlich hatte sich der Lizenzkandidat einem psychiatrischen Tiefeninterview zu unterziehen, das „sich mit der Familie und der sozialen Umwelt des Kandidaten befaßt und versucht, die Faktoren festzustellen, die seine politische und soziale Haltung beeinflußt und seine Persönlichkeit entwickelt haben.
Die Motive für sein Handeln werden untersucht und festgestellt, wieviel Freiheit ihm gegeben werden kann und ob er als positive und kompromißlose Kraft vertrauenswürdig ist.“

Des weiteren hatte der Psychiater festzustellen, ob der Lizenzkandidat im politischen Interview die Wahrheit gesagt hatte und ob die Eigenschaften des Kandidaten der ihm zu übertragenden Aufgabe entsprachen.
Schließlich besprach der Stab den Kandidaten, und der Leiter schrieb einen Bericht, in dem der Kandidat in die Klasse Weiß A (einwandfreier Antinazi, der von den Nazis verfolgt wurde), Weiß B (Antinazi, der keinen aktiven Widerstand leistete), Grau – tragbar (Nichtnazi, der sich durch Konzessionen an die Nazis kompromittierte), Grau – nicht tragbar (Nichtnazi, der von den Nazis profitierte und mit ihnen zusammenarbeitete), Schwarz (Nichtmitglied der NSDAP, das trotzdem an deren Grundsätze glaubte und für offizielle NaziOrganisationen arbeitete“.

Der Arbeit des Screening Centers und der Auswahl der Lizenzträger lag ein Programm zugrunde.
Vor allem war man gegen die Entnazifizierung, da diese die logische Voraussetzung hatte, daß die Mitglieder der NSDAP eine kleine und unterscheidbare Gruppe waren, deren Entfernung das politische Leben demokratisieren würde.
Dies sei gefährlich, da damit der „organische Zusammenhang zwischen Nazismus und Germanismus verkannt“ werde.
Wesentlich wäre, daß Persönlichkeit und Charakterstruktur den Deutschen vom Nichtdeutschen unterscheide.

Der einzelne Deutsche nehme die deutsche Charakterstruktur an, die ihn in seinem Vaterland akzeptabel mache, aber gleichzeitig zum ‚misfit‘ gegenüber den anderen Nationen.
Die deutschen Regierungen hätten genau dem deutschen Charakter entsprochen, aber zugleich im Widerspruch zum Denken der anderen Nationen gestanden.
Die Aufgabe der Umerziehung liege darin, „daß die nichtdeutsehe Gesellschaft den Versuch macht, den Charakter eines Abweichers oder Nichtkonformisten zum Wohl der Mehrheit der Männer und Frauen, die außerhalb Deutschlands leben, umzuformen“, wie Schaffner sich ausdrückte.
Oder „Die Änderung der deutschen Psychologie ist die Hauptaufgabe der Militärregierung“, wie Levy sich ausdrückte.

Die Lizenzkandidaten waren alle von den ‚vetters‘ ausgesucht, formell also nicht oder kaum belastet.
Wenn sie trotzdem in schwarze bis weiße Kategorien eingestuft wurden, so spielte nicht nur der nachträglich entdeckte Makel eine Rolle, sondern die Einsicht:
„Antinazis sind auch Deutsche“.

Das heißt, auch der politisch Unbelastete konnte psychologisch belastet sein, sofern er eben einen deutschen Charakter besaß.
Unter den politisch Unbelasteten mußten als Träger des Änderungsprozesses die psychologisch Unbelasteten herausgefunden werden, das heißt diejenigen, deren Charakterstruktur sie in Deutschland isoliert und damit der (angeblichen) Charakterstruktur der niederdeutschen Umwelt angepaßt habe.

Der „reaktionäre Antinazi “ war als möglicher Lizenzträger ausgeschlossen, aber der erwünschte Linksliberale galt als recht gespaltene Erscheinung.
Er war es vor allem, der demokratische politische Ansichten mit einer autoritären oder deutschen Einstellung zur Familie verband.
Aber gerade in der Einstellung zur Familie sei der Hebel anzusetzen, denn in der Familie bildete sich jener Charakter, der sich in der Politik so verhängnisvoll auswirkte.
Adolf Hitler hätte nichts weiter zu tun brauchen, als die deutsche Familienordnung auf den Staat zu übertragen, zum Behagen der Deutschen.

Die deutsche Familie sei durch die Autorität des Vaters bestimmt.
Dieser sei allmächtig, allwissend und allgegenwärtig.
Er zwinge die Familie, auch unkluge Entscheidungen zu akzeptieren, nur um als Hüter der abstrakten Autorität diese zu bewahren.
Die deutsche Frau wäre ein Echo des Mannes.
Sie habe die vorwiegend männlichen Werte akzeptiert und fürchte jeden Wechsel, der sie zwinge, mit dem Mann zu konkurrieren, statt ihm zu dienen.

„Vom Kind gar wird erwartet, daß es den Eltern gegenüber abhängig, unterwürfig und exhibitionistisch ist, indem es seine Unterwürfigkeit durch Händeschütteln, Hackenschlagen und ‚korrekres‘ Benehmen exhibiert.“
Diese erzwungene Passivität des deutschen Kindes sei der Faktor, „der die Aggressivität, Härte und sogar Grausamkeit des deutschen Erwachsenen“ hervorbringe. Disziplin, Ordnung, Sauberkeit und Männlichkeit seien die vier Prinzipien der deutschen Erziehung, auf denen dann auch der deutsche Staat errichtet wurde.

Falls ein Kind diese Grundprinzipien nicht erlernt habe, sei es für die Gesellschaft nicht geeignet gewesen.
Es wäre unglücklich geworden und in passive Opposition oder aktiven Widerstand zum Elternhaus zunächst, zu Staat und Gesellschaft später gegangen.

Da aber die Eigenschaften, die zur Unangepaßtheit in der deutschen Gesellschaft führten, die Angepaßtheit in der Weltgesellschaft bedeuteten, mußte es die Aufgabe des Screening Center sein, diese Unangepaßten zu suchen.
Schaffner bringt im Anhang zu seinem Buch je einen Musterfall aus den fünf Klassen. In der obersten Klasse Weiß A ist folgende Lebensgeschichte für ihn mustergültig:

Der Lizenzkandidat war ein uneheliches Kind einer protestantischen Mutter, die künstlerisch interessiert war.
Sein Vater war ein preußischer Offizier, der Zeitungsartikel gegen den Militarismus schrieb. Das Kind war völlig isoliert, las philosophische Bücher und stotterte.
Er wurde vor dem ersten Weltkrieg Journalist und hielt sich drei Jahre in England und Frankreich auf.
Die englische Demokratie fand er sehr gut, die französische weniger repräsentativ,
da die Franzosen ihm zu selbstbezogen waren.
Im ersten Weltkrieg war er wegen seines angegriffenen Nervenzustandes militärdienstuntauglich.
Nach Kriegsende war er Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei.
Dann heiratete er eine Frau, mit der er sich über soziale Fragen unterhielt, aber keine Kinder hatte.
1939 wurde er aus der Schrifttumskammer ausgeschlossen, 1944 zur Organisation Todt eingezogen.
Während der Untersuchung wartete er auf eine Lizenz für eine liberale Zeitschrift und schrieb einen Roman.
Er lehnte CDU und KPD als totalitär ab und stand der SPD nahe.
Er sah eine zukünftige Gefahr im Nationalismus und war scharfer Antimilitarist.
Er zweifelte daran, daß die Deutschen lernen würden, einander zu tolerieren und einen modernen Staat zu bilden.

Der Preis ging in diesem Fall an die Lebensgeschichte, die den gewünschten linksliberalen Einschlag hatte, während als negativ gewisse „blinde Stellen“ für den Autoritarismus in der Familie in der Beurteilung genannt wurden.
Er hatte nämlich im Ergänzungstest ergänzt: die Revolte des jungen Mannes gegen seinen Vater zeigt … ‚ein Fehlen von Charakter‘; und eine Mutter, die dazwischen tritt, wenn der Vater das Kind straft… ‚ist vielleicht zu weichherzig‘.
Das war natürlich falsch.

Die richtige Ergänzung hätte lauten müssen: ‚die richtige Art von Mutter‘ … ‚demokratisch gesinnt‘ … ‚eine Gegnerin der äußersten Härte‘.
Beim ersten Satz hätte es heißen müssen: … ‚ein Zeichen der beginnenden Unabhängigkeit‘ … ‚das Ergebnis der Ausschau nach neuen Wegen, um es besser zu machen als die Vorfahren‘ usw.
In einer Tabelle führt Schaffner den Anteil der Lizenzkandidaten, die gegen ihre Eltern revoltierten, nach Beurteilungsklassen auf:
Schwarz 0 %, Grau – untragbar 15 %, Grau – tragbar 25 %, Weiß B 30 %, Weiß A 45 %.
Da unter den Lizenzkandidaten viele einer sozialistischen Familientradition entstammten, so daß eine Revolte gegen das Elternhaus sie aus der gewünschten Richtung hinausgedrängt hätte, wird das Bild noch deutlicher.

Die Stellung zum eigenen Vater verriet, was einer im Innersten von der Demokratie hielt.
Die Frage nach dem Zeitpunkt der Aufnahme des Geschlechtsverkehrs ermöglichte es, den Grad der demokratischen Gesinnung zu messen. Je früher der Zeitpunkt lag, desto demokratischer war die Gesinnung – je später, desto undemokratischer, so lautete die schlichte Formel.

Doch lag in der analytischen Posse historischer Ernst.
Denn die intimen Fragen wurden im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten gestellt.
Diese Regierung hatte einst in China (im Interesse ihrer Händler und Missionare) eine Politik der „Offenen Tür“ erzwungen und so eine Kette weltgeschichtlicher Folgen ausgelöst.

Hinweis: Wir vermitteln keine Bücher. Wenden Sie sich bitte an den Verlag oder Ihren Buchhändler.

Hinweis: Wir vermitteln keine Bücher. Wenden Sie sich bitte an den Verlag oder Ihren Buchhändler.

Wenn sie nun in Europa (im Interesse ihrer Psychotechniker) die Öffnung auch der letzten und  intimsten „Türen“ erzwang, so hätten sie wissen sollen, daß sie auch hier eine Kettenreaktion auslöste“.

Caspar von Schrenck-Notzing: Charakterwäsche
Die Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen
298 Seiten – EUR 19,90

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2 Gedanken zu “Charakterwäsche

  1. Wäre nicht der Zwist mit Stalin gewesen, wer weiß, was dann mit uns geschehen wäre. Die Amerikaner waren nicht gekommen, um Deutschland vom Nationalsozialismus zu befreien, wie heute gerne behauptet wird, sondern um ihre eigenen Interessen zu befriedigen: http://schaebel.de/allgemein/krieg/other-losses-die-verschwiegene-geschichte-deutschlands/005160/ In diesem Film wird über General Eisenhowers Todescamp auf der Rheinwiesenaue berichtet, wo ungefähr 1.000.000 deutsche Kriegsgefangene erbärmlich verhungerten, weil es so gewollt war! Siehe auch: http://brd-schwindel.org/amerikas-verantwortung-fuer-das-verbrechen-am-deutschen-volk/ Amerikas Verantwortung für das Verbrechen am Deutschen Volk.
    THE CRIME OF OUR AGE (Original-Titel)

    Ein Gewissensappell an die amerikanische Führungsschicht 1947
    Von Reverend Ludwig A. Fritsch,

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